nicht noch mehr wertvolles kulturland opfern!

Von Norden her überquert die Strasse auf hoher, weit gespannter Brücke die Aare und führt dann haarscharf an der regional grössten Population der Gelbbauchunke bei der Kiesgrube im Banwald vorbei. Sie schneidet den Tieren den Weg nach Osten ab – und verunmöglicht die mit dem Smaragdgebiet angestrebte Vernetzung entlang der Aare. Weiter im Süden frisst sich die Strasse durch die weite, abgeschiedene Ebene des Banfeldes, wo die vom Aussterben bedrohte Helm-Azurjungfer in den kleinen Wiesenbächen lebt. Nach dem Tunnel durch den Spichigwald überquert das Asphaltband von dieser Libellenart besiedelte Wiesengräben. Für die an Gewässer gebundene Libelle wirkt eine so breite Strasse über dem Bach wie ein dunkler, unpassierbarer Tunnel. Die Strasse langt dort an ihrem tiefsten Punkt an. Sollte kontaminiertes Strassenwasser eindringen, wäre das ganze Ökosystem des Wiesengrabens in Gefahr. Auch hier bildet die Strasse eine Barriere in der Landschaft, einen brutalen Einschnitt in den idyllischen, unbesiedelten Talabschnitt.

 

Diese verheerenden Eingriffe geschähen in einem vom Europarat und der Eidgenossenschaft anerkannten Smaragdgebiet. Der Kanton Bern, der in diesem Pilotgebiet die systematische Förderung von seltenen Pflanzen, Tieren und Lebensräumen unterstützt, tritt seine offiziellen Ziele mit Füssen. Schon über 250'000 Franken hat der Kanton im Smaragdgebiet in die Förderung der Biodiversität gesteckt – um nun sein eigenes Werk zunichte zu machen?

 

Rechtlich steht das Strassenbauprojekt auf wackeligem Fundament: Die Schweiz hat seit der Ratifizierung der Berner Konvention alle 37 Smaragdgebiete vor Verschlechterungen zu bewahren. Analog zu den Natura-2000-Gebieten der EU sind Eingriffe, welche die Smaragdarten und -Lebensräume beeinträchtigen, untersagt. Rechtsexperten für internationale Abkommen an der Universität Fribourg gehen davon aus, dass die Berner Konvention direkt anwendbar ist. Sind somit die Gelbbauchunke wie auch die Helm-Azurjungfer auf der sicheren Seite? Die Berner Stimmberechtigten können am 21. Mai dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu solchen Rechtshändeln kommt.

 

Der Teufelskreis von Zersiedelung und Schnellstrassen

 

Die Siedlungsfläche wuchs gemäss dem Bundesamt für Statistik seit 1980 mehr als doppelt so stark wie die Bevölkerung – in einem Gesamtumfang grösser als der Genfersee! Obwohl sie in der Schweiz ein rares Gut sind, betonieren wir grüne Flächen grosszügig zu. Wie kommt das?

 

Das Auto ermöglicht es, in grosser räumlicher Distanz zum Arbeitsplatz zu wohnen, schnell im Kino oder beim Shoppingcenter zu sein. Obwohl die zurückgelegten Strecken massiv zugenommen haben, blieb die für die Fortbewegung aufgewendete Zeit etwa gleich. Solches geht nur mit schnelleren Strassen.

 

So hat sich zwischen der Zersiedelung und den Schnellstrassen eine sich selbst verstärkende Wechselwirkung aufgebaut: Dank einer neuen Strasse wohnen Menschen weiter weg von ihrem Arbeitsplatz. Das verursacht insgesamt noch mehr Verkehr und mehr Stau. Es folgt die nächste Umfahrungsstrasse. Die wiederum verkürzt die Reisezeit, sodass noch grössere Distanzen überwindbar werden. Durchbrechen wir diese Negativspirale auf Kosten der Umwelt – das nächste Mal am 21. Mai!